Der Zehn-Schritte-Selbsttest für Ihre Website
Bedienbarkeit, Ladezeit, Mobiltauglichkeit und Auffindbarkeit: ein praktischer Selbsttest, mit dem Sie die eigene Website in einer Stunde ehrlich prüfen.
Sie sind der schlechteste Tester Ihrer eigenen Website
Wer eine Website selbst betreut, kennt jeden Menüpunkt auswendig. Genau das ist das Problem: Man findet alles, weil man weiß, wo es liegt. Neue Besucher wissen das nicht. Sie entscheiden in wenigen Sekunden, ob eine Seite vertrauenswürdig, schnell und bedienbar wirkt – und springen sonst ab.
Dieser Selbsttest hilft, die eigene Seite mit fremden Augen zu sehen. Sie brauchen dafür kein Werkzeug außer einem Browser und einem Smartphone. Nehmen Sie sich eine Stunde, gehen Sie die zehn Schritte durch und notieren Sie zu jedem, ob er „gut”, „geht so” oder „schlecht” ausfällt.
Schritt 1 bis 4: Der erste Eindruck
- Der Fünf-Sekunden-Test. Öffnen Sie die Startseite und schließen Sie das Fenster nach fünf Sekunden. Konnten Sie in dieser Zeit erkennen, was das Unternehmen anbietet und für wen? Wenn nicht, ist die Kernaussage zu versteckt.
- Der Handlungsaufruf. Was soll ein Besucher tun – anrufen, kaufen, ein Formular ausfüllen? Ist das auf der Startseite sofort sichtbar, ohne zu scrollen? Eine Seite ohne klaren nächsten Schritt verschenkt Anfragen.
- Die Kontaktaufnahme. Suchen Sie Ihre Telefonnummer und E-Mail. Brauchen Sie länger als zehn Sekunden, ist der Kontakt zu tief vergraben.
- Das Vertrauen. Gibt es Belege dafür, dass es das Unternehmen wirklich gibt – Anschrift, echte Fotos, Referenzen? Steriler Stockfoto-Eindruck senkt das Vertrauen.
Schritt 5 bis 7: Technik und Tempo
Die Technik entscheidet oft, ob Besucher überhaupt bleiben.
- Die Ladezeit. Öffnen Sie Ihre Startseite über das Mobilfunknetz, nicht über WLAN. Fühlt sie sich träge an, ist sie es. Große, unkomprimierte Bilder sind fast immer die Ursache. Als Faustregel sollte die Seite in unter drei Sekunden nutzbar sein.
- Die Mobilansicht. Rufen Sie jede wichtige Seite auf dem Smartphone auf. Müssen Sie horizontal scrollen? Sind Schaltflächen mit dem Daumen treffbar? Ist Text ohne Zoomen lesbar? Über die Hälfte der Besucher kommt heute mobil – die Mobilansicht ist die Hauptansicht.
- Die Formulare. Füllen Sie Ihr Kontaktformular selbst aus, auf dem Handy. Ist es zu lang, fragen Sie zu viel ab. Jedes Pflichtfeld, das nicht wirklich nötig ist, kostet Anfragen.
Schritt 8 bis 10: Auffindbarkeit und Struktur
- Die Suche nach sich selbst. Suchen Sie in einer Suchmaschine nach Ihrem Angebot in Kombination mit Ihrem Ort – nicht nach Ihrem Firmennamen. Taucht die Seite auf? Wenn nicht, findet Sie niemand, der Sie noch nicht kennt.
- Die Seitentitel. Jede Seite braucht einen eigenen, aussagekräftigen Titel, der in der Browser-Registerkarte und in Suchergebnissen erscheint. Heißen mehrere Seiten identisch „Startseite” oder tragen gar keinen Titel, verschenken Sie Sichtbarkeit.
- Die Navigation. Bitten Sie eine Person, die Ihre Seite nicht kennt, eine konkrete Aufgabe zu lösen – etwa „Finde die Öffnungszeiten” oder „Lege ein Produkt in den Warenkorb”. Schauen Sie zu, ohne zu helfen. Wo diese Person zögert, liegt ein Bedienproblem.
Die Auswertung
Zählen Sie zusammen. Der ehrlichste Erkenntnisgewinn steckt in den Punkten, die Sie mit „geht so” bewertet haben – das ist meist ein höfliches „schlecht”. Priorisieren Sie so:
- Sofort: alles, was mit Ladezeit und Mobilansicht zu tun hat. Hier verlieren Sie Besucher, bevor sie überhaupt lesen.
- Als Nächstes: Kontakt, Handlungsaufruf und Formulare. Das sind die Stellen, an denen Interesse in Anfragen umschlägt.
- Mittelfristig: Auffindbarkeit und Seitentitel. Das wirkt langsamer, aber nachhaltig.
Ein Beispiel: Ein Handwerksbetrieb bemerkte im Test, dass die Telefonnummer auf dem Handy nicht anklickbar war – man musste sie abtippen. Eine kleine Änderung, und die Zahl der Anrufe stieg spürbar. Solche Kleinigkeiten sind der eigentliche Wert dieses Tests.
Die drei häufigsten Befunde – und was dahintersteckt
Über viele Durchläufe hinweg tauchen immer wieder dieselben Schwächen auf. Wenn Sie sich Zeit sparen wollen, prüfen Sie diese drei zuerst, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mindestens einer der Punkte auch auf Ihre Seite zutrifft.
- Zu viel auf einmal. Startseiten wollen oft alles gleichzeitig sagen und sagen dadurch nichts. Wenn ein Besucher zwischen fünf gleich großen Angeboten wählen muss, wählt er keins. Ein klares Hauptangebot pro Seite wirkt stärker als eine vollständige Aufzählung.
- Text, der über das Produkt statt über den Kunden spricht. Formulierungen wie „Wir sind seit Jahren Marktführer” interessieren weniger als „So lösen wir Ihr Problem”. Lesen Sie Ihre Texte einmal daraufhin durch, wie oft „wir” und wie oft „Sie” vorkommt.
- Veraltete Inhalte. Öffnungszeiten, die nicht mehr stimmen, oder ein Nachrichtenbereich, dessen letzter Eintrag zwei Jahre alt ist, senken das Vertrauen sofort. Ein einziger veralteter Hinweis lässt die ganze Seite ungepflegt wirken.
Diese drei Punkte kosten nichts als Aufmerksamkeit. Man braucht keine neue Website, um sie zu beheben – nur den Willen, die eigene Seite kritisch zu lesen, als käme man zum ersten Mal.
Dranbleiben
Ein Selbsttest ist keine einmalige Übung. Websites verändern sich, Inhalte kommen dazu, und was heute schnell ist, kann in einem Jahr träge sein. Wiederholen Sie den Durchlauf zweimal im Jahr. In einer der nächsten Ausgaben schauen wir uns an, wie man Ladezeiten gezielt verbessert, ohne die Seite komplett neu zu bauen.